
DJ Ötzi – Bio 2010
Man muss ein Leben gelebt haben, um Songs zu singen, die nicht nur nett anzuhören sind, sondern auch berühren. Oder, wie Gerry Friedle gerne sagt: „Man muss Dreck gefressen haben, um das Leben tatsächlich schmecken zu können.“
Das heißt im Fall von Gerry Friedle: das Gestern nicht vergessen, aber für das Morgen leben. Denn es ist einfach, ein Leben in der Öffentlichkeit zu führen und sich auf alten Wunden auszuruhen. Viel schwieriger ist es, Musiker zu sein, Songs zu präsentieren und sich der breiten Masse zu stellen, ohne eben diese Wunden öffentlich zu lecken. Gerry Friedle kann es trotz aller Widrigkeiten. Mit seinem neuen Album „Du und ich“ meldet er sich als DJ Ötzi zurück und präsentiert sich von einer Seite, die man bisher so nicht kannte. „Wenn man die Songs hört, hat man vielleicht nicht gleich den Einblick, was genau anders ist, aber man spürt ganz klar, dass sich viel verändert, viel entwickelt hat. Es ist jetzt eine ganz andere Baustelle. Man erwartet von DJ Ötzi fröhliche Spaßnummern, im Ballermann-Stil, aber man kennt es nicht, dass er emotional berührt ist, Gefühle zeigt, dass er sein Herz auf der Zunge trägt und sagt: Man muss mehr zusammenrücken in dieser Melancholie der Zeit“, erklärt Gerry Friedle.
Dabei wäre es so leicht, ihn in eine Schublade zu pressen, das kennt Gerry Friedle schon seit vielen Jahren. Ballermann-Kasper? Spaßmacher? Dauerlächler? Lauter Attribute, die er mittlerweile schulterzuckend abtut, weil er um deren Nichtigkeit weiß. Wozu über Kategorisierungen aufregen, wenn er selbst weiß, wo sein Platz ist? Gerry Friedle kommentiert das trocken. „DJ Ötzi ist in keiner Schublade. Er steht für sich selber. Er ist nicht Pop, nicht Rock – er war immer schon ein eigenes Segment.“
Viel Lärm um nichts. Er ist zu lange im Business, um sich durch Vorurteile aufrütteln zu lassen. Genau deshalb zeigt er sich auf seinem neuen Album verwundbar. Denn wer verwundbar ist, ist weniger angreifbar. Klingt irrational? Stimmt aber.
Auf „Du und ich“ ist Gerry Friedle präsenter als je zuvor. Ja, er ist auch DJ Ötzi. Aber in erster Linie er ist Gerry Friedle. Ein g’standener Mann aus Tirol, der gelernt hat, mit seinem Alter Ego zu leben, oder – wie er in dem Song „Ein Teil von mir“ singt: „Du bist und bleibst für alle Zeit ein Teil von mir, das schwöre ich dir, jetzt und hier“. Wen er damit meint, bleibt dahingestellt, doch Tatsache ist: Den einen gibt es nicht ohne den anderen.
„Du und ich“ ist ein Album, auf dem gerade die leisen Töne hängen bleiben und zwischen den Zeilen Platz ist, sich fallen zu lassen. Verblüffend? Vielleicht. Neu? Nicht wirklich. Denn Gerry hat sich nicht verändert. Er war immer schon so – nur hat er bisher diese Seite von sich nicht gezeigt. Eine Seite, die sehr nachdenklich an die Arbeit an dem neuen Album gegangen ist: „Es war mir total wichtig, dass ich in der Jetzt-Zeit einen Zusammenhalt schaffe. Gerade heute, wo grundsätzlich eine gewisse Melancholie herrscht. Ich habe mich gefragt: Wie schaffe ich diesen Zusammenhalt?“ Die Antwort ergab sich bald: Indem er sein Herzblut in jeden Song legte, um die einzelnen Töne, die Texte nicht nur zu singen, sondern vollkommen zu fühlen. „Ich habe mich lange hingesetzt und gefragt: Wie bekomme ich das Gefühl in jede einzelne Nummer? Wie rufe ich mir dieses Gefühl in mir hervor? Habe ich überhaupt genau diese Gefühle tief in mir? Ich habe mich daran erinnert, wie es sich angefühlt hat, als ich das erste Mal verliebt war. Ein irrsinnig schönes Gefühl und unbeschreibend wohltuend. Ehrlich, ich habe mich in jeder einzelnen Nummer neu verliebt. Für mich war jeder Song eine Frau, die schwer zugänglich ist und um die ich mich bemühen muss. Es war aber immer die gleiche Frau, nämlich meine. Ich habe in jedem Song um sie gekämpft, damit alle Emotionen an der richtigen Stelle landen.“ Zartheit, Zerbrechlichkeit, Zerrissenheit – „Nichts von alledem“ kannte man bisher von DJ Ötzi. Genauso lautet einer seiner neuen Songs, und genauso spannend ist die Entwicklung, die wir auf diesem neuen Album beobachten können. Ein Album, dessen Entstehung durchaus schwierig war, wie Gerry Friedle beschreibt: „Dieses neue Album hat mich mehr oder weniger mein Leben gekostet. Da ist so viel Leidenschaft und so viel Herz, so viel Willen und so viel Stimme drin wie nie zuvor.“
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