Interview: Nicole mit Stars und Melodien Teil 20 Kommentare

von admin
geschrieben am 01 Jan 2010 um 10:24am

Bekommen Sie viel Post von Leuten mit diesem Anliegen?
Ja, ich bekomme sehr viele Briefe und Demo-Bänder zugeschickt. Darauf sind teilweise durchaus sehr gute Stimmen zu hören. Nur leider denken viele, die Showbranche ist
wie eine Scheinwelt, in der wir leben – alles ist schön, und wir werden regelrecht mit Geld und Gold beschmissen. Einige wissen nicht, was da alles dahinter steckt.

Zum Beispiel?
Wer mich mal auf einer Tournee begleitet, wird schnell merken, dass viel Arbeit dazu gehört. Man muss auch ein bisschen dafür geboren sein – immer lächeln, auch wenn es einem mal nicht so gut geht. Oder jemanden übersehen darfst du auch nicht, sonst heißt es gleich: ‚Mann, ist die eingebildet’. (Lacht) Also, es macht super viel Spaß, aber es gehört eben auch eine Menge Disziplin dazu.

Und so etwas könnte man mit einem Film gut zeigen. Dann müsste man nur eine Person finden, die Ihre Rolle perfekt spielen kann.
Ja, diese Rolle könnte nur meine Tochter Joëlle übernehmen. Sie sieht genauso aus wie ich damals. Es gibt ganz viele Ähnlichkeiten zwischen uns. Sie hat wirklich mehr
von mir mitgekriegt als sie sollte. (Lacht) Sie ist sehr lieb. Obwohl der Engel natürlich überwiegt, steckt aber manchmal auch ein kleiner Bengel drin.

Gab es auch Momente in Ihrem Leben, in denen Sie sich gewünscht hätten, einmal nicht der Star Nicole zu sein?
Ja, am Tag des Grand Prix. Ich habe damals irgendwie geahnt, dass das funktionieren könnte. Ich bin in mich gekehrt, weil ich wusste, dass ein Sieg der Wendepunkt in meinem Leben sein würde. Bei der Generalprobe war eine Putzfrau vor Ort, die immer dann aufgehört hat zu putzen, wenn ich gesungen habe. Dann hat sie
sich jedes Mal hingehockt und gelauscht. Das war wie ein Zeichen für mich. In dem Moment war sie mein Publikum. Dann kam der Gedanke, ‚Du hast eine realistische
Chance‘.

Und dieser Gedanke war Ihnen nicht ganz geheuer.
Ja, das war richtig komisch. Nach der Generalprobe fragte mich Ralph Siegel: ‚Was schaust du denn so traurig‘?‘ Da habe ich zu ihm gesagt: ‚Ich habe Angst zu gewinnen‘.
Weil ich genau gewusst habe, was dann mit mir passiert. Man fragt sich: ‚Will ich das überhaupt? Will ich weg von zu Hause? Will ich meine Freunde zurücklassen? Will ich,
dass jeder an mir herumzerrt?‘ Ich dachte sogar: ‚Soll ich jetzt vielleicht falsch singen, oder gehe ich überhaupt auf die Bühne? Dann wäre ich aus der ganzen Nummer
raus und hätte meinen gewohnten Alltag.‘ Aber dann kam der Kämpfergeist, der sagt: ‚Verdammt noch mal, du bist nicht so weit gegangen, um jetzt zu kneifen.‘ Das war meine letzte Einstellung, und mit der bin ich aufgetreten. Somit traf ich beim Grand Prix die Entscheidung meines Lebens. Ich hatte schließlich eine Aufgabe – mein Land würdevoll zu vertreten.

Und diese Entscheidung haben Sie nie bereut.
Nein, auf keinen Fall. Ich war nach der Punktevergabe sehr erleichtert. Ralph und ich hatten die ganze Zeit unsere Hände ineinander verkrallt. Und als der Moment kam, in dem wir wussten, jetzt kann uns keiner mehr einholen, war das unbeschreiblich. Ich bin einfach wirklich sehr, sehr dankbar, dass ich auch heute noch nach so vielen Jahren erfolgreich auf der Bühne stehen darf.

K. Hahn
[Quelle: Stars und Melodien]

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